Cybercrime wird immer professioneller
Und trotzdem boomt E‑Commerce. Warum das so ist und wie Sie auch in den kommenden Jahren noch erfolgreich im Netz verkaufen, verriet die E‑Commerce Inspiration Night 2026.
Am 27. Mai 2026 wurde der MAKERSPACE zum Treffpunkt der österreichischen E‑Commerce-Community. Bei der E‑Commerce Inspiration Night standen aktuelle Entwicklungen im Onlinehandel, digitale Sicherheit und neue Anforderungen an Unternehmen im Mittelpunkt. Markus Miklautsch, Obmann des Landesgremiums Versand‑, Internet- und allgemeiner Handel, begrüßte die zahlreichen Teilnehmer:innen. Obmann Markus Miklautsch und Organisator Thomas Leskowsky stellten fest: Die Branche befindet sich in einem rasanten Wandel – und genau darüber müsse offen gesprochen werden.
E‑Mail-Adresse wird zum Einfallstor für Cyberkriminelle
Thorsten Behrens vom E‑Commerce-Gütezeichen widmete sich in seinem Vortrag dem Thema “Cybercrime und Internetbetrug”. Dabei machte er deutlich, wie professionell Betrugsversuche mittlerweile auftreten. Klassisches Phishing sei heute kaum noch an Rechtschreibfehlern zu erkennen. Besonders die eigene E‑Mail-Adresse sei zum zentralen Einfallstor für Cyberkriminelle geworden. Er empfiehlt daher starke Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung und abgesicherte Kontowiederherstellungen. Behrens verwies außerdem auf die Initiative “Phishen Impossible” sowie auf die Plattform Watchlist Internet, die allein 2025 bereits rund 17.000 Meldungen erhalten habe. Besonders problematisch seien moderne Fakeshops, die äußerlich professionell wirken, hinter denen jedoch betrügerische Strukturen stehen.
Auch neue Risiken durch KI wurden angesprochen: So würden KI-Agenten teilweise sogar betrügerische Shops empfehlen. Unternehmen sollten daher ihre Websites regelmäßig aktualisieren, Back-ups erstellen und Monitoring-Tools wie Google Alerts zum Check der eigenen Seite nutzen.
Kund:innen erwarten einfache und sichere Zahlungen
Wie stark sich das Einkaufsverhalten verändert hat, zeigte Roland Toch von nexi in seinem Vortrag zum Thema “Zahlungsverhalten der Kund:innen”. Digitale Zahlungen seien längst Alltag geworden: 90 Prozent der Befragten haben 2025 online eingekauft, das Smartphone sei mittlerweile das wichtigste Gerät für Onlinekäufe. Besonders spannend: Auch ältere Zielgruppen nutzen E‑Commerce intensiv – bereits 83 Prozent der über 60-Jährigen kaufen online ein. Gleichzeitig verschmelzen stationärer Handel und Onlinehandel zunehmend miteinander. Die Kundschaft erwartet heute kanalübergreifend einheitliche und einfache Einkaufserlebnisse.
Toch betonte, dass moderne Check-out-Prozesse vor allem benutzerfreundlich und sicher gestaltet werden müssen. E‑Wallets und mobile Zahlungsmethoden würden sowohl online als auch im stationären Handel immer wichtiger.
Diskussion über Strategien und neue Vertriebskanäle
Im Rahmen der abschließenden Diskussion wurden Praxiserfahrungen geteilt. Lukas Pammer, Geschäftsführer von landwirt.com, sprach über die Bedeutung digitaler Marktplätze in der Landwirtschaft. Stefanie Luschnig-Gomernik berichtete über die erfolgreiche Omnichannel-Strategie von Hirsch, das seit mehreren Jahren einen eigenen B2C-Shop betreibt und 2025 bereits 19.000 Bestellungen verzeichnete.
Markus Miklautsch verwies darauf, dass Unternehmen dort verkaufen müssten, wo sich ihre Kund:innen aufhalten – aktuell zunehmend auch auf Plattformen wie ChatGPT oder Gemini. Gleichzeitig würden klassische Marktplätze weiterhin eine wichtige Rolle spielen.
Tim Janke von XeroGrafix stellte schließlich die Frage, welche Rolle Webshops künftig überhaupt noch spielen. Seine Antwort fiel klar aus: Webshops bleiben wichtig – allerdings nur mit einer klaren Strategie und echten Erlebnissen für die potenziellen Käufer:innen.
Austausch, Inspiration und neue Perspektiven
Fazit: Die Experten bei der E‑Commerce Inspiration Night zeigten Herausforderungen und Chancen im digitalen Handel auf. Neben fachlichem Input bot der Abend vor allem eines: Raum für ehrlichen Austausch, neue Perspektiven und wertvolle Vernetzung innerhalb der Branche.