E‑Com­mer­ce-Alarm: Wie Kärnt­ner Händ­ler Stamm­kun­den sichern und Betrugs­fal­len umge­hen

links Markus Miklautsch, Obmann vom Kärntner Landesgremium Versand-, Internet- und allgemeiner Handel, rechts Vortragender Thorsten Behrens
links Markus Miklautsch, Obmann vom Kärntner Landesgremium Versand-, Internet- und allgemeiner Handel, rechts Vortragender Thorsten Behrens © WKK Handel

Wie man im Online­han­del zwi­schen Fake-Shops und rie­si­gen Anbie­tern als seriö­ser Händ­ler bestehen kann, war das zen­tra­le The­ma beim 3. Busi­ness Lunch der WKO Online­hel­den. Thors­ten Beh­rens, Geschäfts­füh­rer des Öster­rei­chi­schen E‑Com­mer­ce-Güte­zei­chens, lie­fer­te den Kärnt­ner Händler:innen einen wich­ti­gen Leit­fa­den zur Ver­trau­ens­bil­dung von Kund:innen.

 

Die Lage ist ernst: Eine neue deut­sche Stu­die zeigt, dass 72 Pro­zent der Kund:innen klei­ne­re Shops mei­den, weil sie bereits Betrug erlebt haben. Die Angst vor Online-Kri­mi­na­li­tät ist groß und trifft klei­ne, seriö­se Shops hart. Der Vor­tra­gen­de Thors­ten Beh­rens warn­te ein­dring­lich, dass es “ganz schwer” sei, die­se ver­un­si­cher­ten Kund:innen ohne sicht­ba­re Ver­trau­ens­si­gna­le zurück­zu­ge­win­nen.

Fokus auf Stammkund:innen

Die wich­tigs­te Erkennt­nis der Kon­su­men­ten­stu­die ist, dass die meis­ten Onlinekäufer:innen einen Shop gezielt auf­ru­fen. Das bedeu­tet, sie sind bereits Stammkund:innen dort. Die Mehr­heit kauft regel­mä­ßig nur bei ein bis drei die­ser Shops. Beh­rens fass­te zusam­men: “Das Ziel ist es, einer die­ser weni­gen Anbie­ter zu wer­den.”

Auf die­se Punk­te legen Online-Shop­per am meis­ten Wert:

  1. Das mir bevor­zug­te Zah­lungs­mit­tel steht mir zur Ver­fü­gung.
  2. Stor­nie­run­gen sind ohne gro­ße Umstän­de mög­lich.
  3. Ande­re Kund:innen bewer­ten den Online­shop posi­tiv (gute Rezen­sio­nen).
  4. Der Online­shop ist mit einem Güte­zei­chen zer­ti­fi­ziert.
  5. Bestel­lun­gen wer­den von mei­nem bevor­zug­ten Paket­dienst­leis­ter zuge­stellt.

Kun­den­ser­vice als Ver­trau­ens­an­ker

Ange­sichts die­ser Domi­nanz von Stammkund:innen wird ein exzel­len­ter Kun­den­ser­vice zur Pflicht. Die Abwick­lung von Bestel­lun­gen und vor allem die Rück­ab­wick­lung dür­fen kein Hin­der­nis dar­stel­len. “Machen Sie die Rück­ab­wick­lung ein­fach und legen Sie dem Kun­den kei­ne Stei­ne in den Weg!”, mahn­te der Exper­te. Auch bei Feh­lern, wie etwa Lie­fer­ver­zö­ge­run­gen, ist das Kri­sen­ma­nage­ment der Schlüs­sel: Ein klei­ner Gut­schein als Ent­schul­di­gung kann aus einem Faux­pas einen posi­ti­ven Ser­vice-Moment machen.

Die­se Grün­de füh­ren am häu­figs­ten zum sofor­ti­gen Abbruch eines Online­ein­kaufs:

  1. Die Ver­sand­kos­ten sind zu hoch.
  2. Ich muss mehr bestel­len, um kei­ne Ver­sand­kos­ten zu haben.
  3. Der Shop kam mir nicht ver­trau­ens­wür­dig vor.

Regio­na­le Her­kunft und Schutz vor Fakes

Zusätz­lich zahlt sich Regio­na­li­tät aus. Rund die Hälf­te der Kund:innen bevor­zugt öster­rei­chi­sche Anbie­ter, um die hei­mi­sche Wirt­schaft zu unter­stüt­zen und kür­ze­re Lie­fer­we­ge zu haben. “Es ist wich­tig anzu­zei­gen, dass Sie aus Öster­reich sind”, beton­te Beh­rens. Um sich klar von unse­riö­sen Anbie­tern abzu­gren­zen, sind sicht­ba­re Ver­trau­ens­an­ker essen­zi­ell. Dazu gehört ein voll­stän­di­ges und feh­ler­frei­es Impres­sum (von rund 70 Pro­zent der Kund:innen über­prüft) sowie die Füh­rung des Öster­rei­chi­schen E‑Com­mer­ce-Güte­zei­chens. Beh­rens riet drin­gend, das Sie­gel zu ver­lin­ken, damit die Kund:innen die Serio­si­tät sofort über­prü­fen kön­nen.

Fünf Tipps für sofor­ti­ges Kun­den­ver­trau­en

  1. Bezie­hungs­pfle­ge statt Neu­kun­den­jagd: Kon­zen­trie­ren Sie sich auf die Pfle­ge bestehen­der Kund:innen, da deren posi­ti­ve Erfah­run­gen das wich­tigs­te Kauf­kri­te­ri­um sind.
  2. Respon­se-Tur­bo: Ant­wor­ten Sie auf jede Kun­den­an­fra­ge (E‑Mail, Kon­takt­for­mu­lar) inner­halb von 24 Stun­den. Schnel­lig­keit signa­li­siert Pro­fes­sio­na­li­tät.
  3. Retou­ren-Cham­pi­on: Gestal­ten Sie den Rück­sen­de­pro­zess so ein­fach wie mög­lich, da dies oft der letz­te Kun­den­kon­takt ist und Sie posi­tiv in Erin­ne­rung blei­ben wol­len.
  4. Sicht­ba­res Ver­trau­en: Füh­ren Sie ein offi­zi­ell aner­kann­tes Güte­zei­chen (zum Bei­spiel das Öster­rei­chi­sche E‑Com­mer­ce-Güte­zei­chen), ver­lin­ken Sie es klick­bar und sor­gen Sie für ein tadel­lo­ses Impres­sum mit Kon­takt­mög­lich­keit.
  5. Hei­mat­vor­teil aus­spie­len: Machen Sie Ihre öster­rei­chi­sche Her­kunft pro­mi­nent sicht­bar und nut­zen Sie die­sen Ver­trau­ens­fak­tor aktiv im Shop-Design und der Kom­mu­ni­ka­ti­on.

Zusätz­li­cher Tipp für Ihre Sicher­heit: Um sich tages­ak­tu­ell vor Fake-Shops und betrü­ge­ri­schen Domains zu schüt­zen, zie­hen Sie die Sei­te www.watchlist-internet.at zu Rate und mel­den Sie sich zu deren News­let­ter an.